Hinter dem Begriff „Flachstahl“ verbirgt sich ein flach gewalzter Stahl. Für die weiterverarbeitende Industrie ist Flachstahl ein wichtiges Vorprodukt. Er wird aus diesem Grund auch als „Halbzeug“ bezeichnet, welches den Oberbegriff bildet für vorgefertigte Rohmaterialien wie beispielsweise Bleche, Rohre, Stangen und Coils (in Rollenform gebrachter, warm gewalzter Stahl).
Typisch für Halbzeuge ist, dass der erste Verarbeitungsschritt bereits getan ist und darin bestand, das Material durch ein geeignetes Trennverfahren so vorzubereiten, dass es weiter verarbeitet werden kann. Halbzeuge sind also geometrisch bestimmte feste Körper, die ihren ersten Arbeitsschritt bereits hinter sich haben. Stahl ist eine metallische Legierung, die hauptsächlich aus Eisen besteht und deren Kohlenstoffgehalt bei mindestens 0,02 % und 2,06 % liegt. Seine wichtigsten Eigenschaften sind Festigkeit, Korrosionsverhalten, Verformbarkeit und Schweißfähigkeit. Es gilt für Stahl die Faustregel, dass jedes Eisen, welches ohne die Zugabe anderer Stoffe schmiedbar ist, als Stahl bezeichnet werden kann.
Der Flachstahl wird in der Autoindustrie, in der Lebensmittelindustrie, in der Bauindustrie, im Schiffsbau, in der Elektroindustrie und anderen Industrien verwendet. Um seine Korrosionsfähigkeit zu erhöhen. wird der Flachstahl häufig mit Zink, Kupfer, Zinn oder Kunststoff überzogen, bzw. lackiert. Man unterscheidet Flachstahl, Breitflachstahl und Blech auf Grund ihrer Breite. Bis zu 150 mm spricht man vom Flachstahl, bis zu 300 mm von Breitenflachstahl und darüber hinaus von Blech.
Bei Stahlblechen wird, entsprechend seiner Dicken, von Feinblech (bis 3mm), Mittelblech (veraltet) und Grobblechen (ab 4.5 mm) unterschieden. Die technischen Möglichkeiten bei der Herstellung von Stahlblechen enden heute bei den Abmessungen 4500 mm x 20.000 mm. Größere Bleche lassen sich wegen ihres hohen Gewichtes nicht mehr wirtschaftlich transportieren.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass als Blech ein flaches Walzwerkfertigprodukt bezeichnet wird. Die größten Flachstahl-Elemente werden gegenwärtig im Brückenbau. für Bohrplattformen und in der Pipelinetechnik benötigt. Für deren Transport werden ganz spezielle Möglichkeiten geschaffen, die sich jedoch nicht für den allgemeinen Transport eignen.
Um den Stahl zu Flachstahl walzen zu können, müssen im Blockguss- oder Stranggussverfahren so genannte „Brammen“ als erste Formgebung von Stahl nach der flüssigen Herstellung angefertigt werden.
Es wird zwischen zwei Herstellungsverfahren von Stahlblech unterschieden: dem Warmwalzen und dem Kaltwalzen.
Das Kaltwalzen ist ein Prozess, der dem Warmwalzen nachgeschaltet ist. Im Warmwalzprozess werden vor Allem Grobbleche hergestellt (Dicke ungefähr 5 mm), die dann im Kaltwalzverfahren dünner gewalzt werden.
Im flachen Zustand werden die Bleche weiter zugeschnitten. Das erfolgt durch spezielle Blechschneidemaschinen (Autogen-, Plasma- und Laserschneiden). Die Weiterverarbeitung erfolgt durch Umformung in einem Walzwerk oder durch Biegen von Flachstahl in einer Rundbiegemaschine. Die hergestellten Endprodukte unterscheiden sich auch in Material- und Oberflächenqualität, in Form und Abmessungen sowie in der Normung der Toleranzen. Der Flachstahl entsteht neben der Herstellung in einem speziellen Walzwerk zunehmend auch in integrierten Stahlwerken eines Projektes zum Bau von großen Brückenkonstruktionen oder riesigen Pipelinestrecken für den Erdöl- und Erdgastransport über Ländergrenzen.
Der bekannteste Betrieb zur Herstellung von Flachstahl in Deutschland ist der „Salzgitter Flachstahl“. In diesem Konzern geht man davon aus, dass künftig noch leichter und schadstoffärmer Flachstahl hergestellt werden muss. Besonders die Autoindustrie bracht leichtere Stahlbleche, um den Kraftstoffverbrauch ihrer Autos weiter reduzieren zu können. So überlegt man heute die Herstellung von höchstfesten Mehrphasenstählen, die belastungsangepasste Blechdickenverläufe haben. Dazu müssen flexibles Walzen und das Rollprofilieren optimiert werden. Die Flachstahlproduktion hat also eine wichtige Grundlage zu schaffen für die Optimierung der gesamten Produktion in der metallverarbeitenden Industrie.